Bergischer Zahnärzteverein e. V.

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Monographie Brinkmann

Dr. Hans Brinkmann, Remscheid

Eine Monographie zum 75jährigen Bestehen des Bergischen Zahnärztevereins zum 31. Januar 1971

Der Vorstand des Bergischen Zahnärztevereins hat mich gebeten, anläßlich seines 75jährigen Bestehens eine geschichtliche Aufzeichnung über seine Entwicklung und seine Bedeutung für den Bergischen Raum in standespolitischer-wirtschaftlicher und fortbildender Sicht anzufertigen.

Das ist nun leichter gesagt als getan. Zwar bin ich seit 1921 Mitglied des Vereins und seit 1924 im Vorstand als Beisitzer, zweiter und erster Vorsitzender tätig gewesen, aber es fehlen an den 75 Jahren immerhin noch 25 Jahre - über weIche nur noch geringe Aufzeichnungen aufzutreiben sind. Außerdem ist die Zeit meiner 50jährigen Mitgliedschaft so turbulent über uns hinweg gerauscht, daß davon vieles vergessen und überlagert worden ist. Ich bitte deshalb, meine folgenden Aufzeichnungen "cum grano salis" zu nehmen und Nachsicht walten zu lassen, wenn Fehler und Ungenauigkeiten sich einschleichen sollten.

Der zweite Weltkrieg hat alle schriftlichen Aufzeichnungen und alle Protokollbücher vernichtet, auch meine persönlichen Notizen, so daß ich vieles nur aus dem Gedächtnis niederschreiben kann.

Ein Dokument ist glücklicherweise erhalten geblieben, das ist die Akte des "Königlichen Amtsgerichtes" in Elberfeld vom 2. März 1912 mit dem Aktenzeichen Nr. 84 des Vereinsregisters. An diesem Tage wurde der "Bergische Verein Deutscher Zahnärzte" mit dem Sitz in Elberfeld dort eingetragen.

Die vorgelegte Satzung umfaßte 30 Paragraphen, wovon ich nur die ersten beiden anführen möchte:

1

Der Verein, gegründet am 31. Januar 1896, führt den Namen "Bergischer Verein Deutscher Zahnärzte" e.V. und hat seinen Sitz in Elberfeld. Er ist Mitglied des Vereinsbundes Deutscher Zahnärzte.

2

Der Zweck des Vereins ist:
a) Die Pflege der zahnärztlichen Wissenschaft,
b) die Verfolgung und Förderung der Standes- und wirtschaftlichen Interessen der deutschen Zahnärzte,
c) die Übernahme der Vertretung zahnärztlicher Interessen den Behörden und Kassenverbänden des Bezirks und dem Publikum gegenüber, die Erteilung von Rat und Hilfe an die Mitglieder in jeder den Stand betreffenden Angelegenheit.

In dem ersten amtsgerichtlich vorgelegten Protokoll vom 2.3.1912 steht zu lesen:
Es erschienen:

der Zahnarzt Dr. Voerkel Elberfeld
der Zahnarzt A. Scholz Remscheid
der Zahnarzt W. Borgstedt Elberfeld
der Zahnarzt E. Müller Barmen
der Zahnarzt W. Tibbe jun. Elberfeld

und erklärten: "Wir sind der Vorstand des unter dem Namen »Bergischer Verein Deutscher Zahnärzte« , in Elberfeld bestehenden Vereins."

In dem beigefügten Protokoll von der Generalversammlung am 12.1.1912 verzeichnet die Anwesenheitsliste folgende Namen:
Dr. Voerkel, Hacke, Tibbe I, Tibbe II, Goldberg, Blasweiler, Röhr, Dr. Kleinsorgen, Dr. Jäckel, Dr. Müller, Dr. Engel, Dr. Freitag, Endres, Borgstedt, insgesamt 14 Kollegen.

Das waren nicht alle Vereinsmitglieder. Der Verein zählte damals ca. 25 Mitglieder.

Es ist auch nicht festzustellen, wieviel approbierte Zahnärzte es im Bergischen Raum gab, welche im Verein Nichtmitglied waren, es können aber nur sehr wenige gewesen sein.

Aus den obigen Feststellungen geht hervor, daß der Verein schon über 15 Jahre bestand, bevor er sich in das Vereinsregister eintragen ließ. Irgendwelche Unterlagen bzw. Kenntnisse über das Vereinsleben vor 1914 liegen mir nicht vor. Aus der Feststellung, daß im Vereinsregister bis 1914 öfter Ummeldungen der Vorstandsbesetzung erfolgt sind, läßt sich annehmen, daß das collegiale Zusammenleben schon recht rege gewesen ist.

Von 1914 bis 1924 schweigen die Amtsgerichtsakten. Der erste Weltkrieg war ausgebrochen. Verschiedene Kollegen mußten Soldat werden oder wurden, als sich der Krieg in die Länge zog und neben den üblichen Zahn- und Munderkrankungen schwere Gesichts- und Kieferverletzungen anfielen, als beamtete Zahnärzte in den Sanitätsdienst des Heeres übernommen. Sie wurden aber nicht als Sanitätsoffiziere anerkannt, sondern rangierten in den Dienstgraden der Zahl-, Geschirr- und Oberzahlmeister.

In Düsseldorf errichtete 1913 der später zum Professor ernannte Kollege Bruhn eine Klinik für Kieferverletzungen, die 1915 mit Prof.Lindemann und ZA Hauptmeyer in das erste Kieferlazarett Deutschlands umgewandelt wurde, wo unter anderen unser Kollege August Scholz, Remscheid maßgebend beteiligt war.

Dem Beispiel des Düsseldorfer Kieferlazarettes folgten dann auch bald andere Universitätsinstitute und so konnte auch ich, nachdem ich im Frühjahr 1920 mein Staatsexamen abgelegt hatte, im Kieferlazarett der Universität Tübingen als Assistent tätig werden.

Die Kriegs- und Nachkriegszeit hat Lücken in die Reihe der Mitglieder des Vereins gerissen, aber sie hatte für die Entwicklung des Faches und für das Ansehen des Standes erhebliche Fortschritte gebracht. Die Gesichts- und Kieferchirurgie konnte sich durch die Unterstützung der Chirurgen mit den kompliziertesten Schienungs- und Stützgeräten zu den großartigen Erfolgen entwickeln.

Bei den Soldaten, welche herausnehmbare Prothesen trugen, kam es laufend, gewollt oder ungewollt, zu Brüchen der aus Kautschuk gefertigten Prothesen. Da kam Kollege Hauptmeyer von der Krupp'schen Zahnklinik in Essen auf die Idee, die Basisplatten aus rostfreiem Stahl zu prägen. Mit der Einführung des rostfreien Stahls, welcher zunächst nur geprägt werden konnte, war für die Prothetik ein bedeutsamer Schritt nach vorn getan. Die Gesichts- und Kieferchirurgie ohne die Mithilfe der Zahnärzte bei der Herstellung von Schienungs- und Stützgeräten, komplizierten Prothesen und Epithesen war nicht mehr denkbar.

Herr Kollege Riechelmann demonstrierte in Wuppertal die Einführung des Parallelometers für die Anfertigung ausgedehnter festsitzender und abschraubbarer Brückenarbeiten aus Gold bei Kieferverletzten. Herr Kollege Hauptmeyer zeigte die Verwendung des rostfreien Stahls in der Privat- und Sozialpraxis und Herr Prof. Fritsch, Frankfurt demonstrierte die neuesten Erfolge auf dem Gebiete der Prothetik.

Diese durch den Krieg gewonnenen Erfahrungen führten dazu, daß die Zahnheilkunde endlich als ein Spezialfach der Medizin anerkannt wurde. Im Jahre 1919 wurde nach vielen Geburtswehen für uns die Promotion und der Dr.-Titel als Dr. med. dent., eingeführt und das Studium der Zahnheilkunde auf acht Studiensemester verlängert.

Die bis dahin den Doktor-Titel-führenden Kollegen hatten ihren Titel als Dr. phil. in der naturwissenschaftlichen-philosophischen Fakultät erwerben können, oder als Dr. med. nach Ablegung der medizinischen Staatsprüfung und zwei weiteren Semestern Zahnheilkunde die Approbation auch als Zahnarzt erhalten.

Es wurden gleichzeitig Übergangsbestimmungen geschaffen, wonach die als Zahnärzte approbierten Kollegen nach Absolvierung eines weiteren Studiensemesters an einer medizinischen Fakultät, Vorlegung einer Dissertationsarbeit und Ablegung einer Prüfung noch nachträglich den Dr.-Titel erwerben konnten. Das führte dazu, daß die überwiegende Mehrzahl der Vereinsmitglieder ein Studiensemester nachholten und neben ihrer bereits seit Jahren bestehenden Praxis sich dieser Prüfung unterzogen. Sie konnten und wollten hinter den 1920 und 1921 nun zahlreich von den Universitäten kommenden, nach achtsemestrigem Studium approbierten und mit dem Dr. med. dent qualifizierten jungen Kollegen nicht zurückstehen.

Wenn man bedenkt, daß diese Herren teilweise schon 40-50 Jahre alt waren, so war dies schon eine besondere Leistung, aber die laufende Fortbildung im Bergischen Verein Deutscher Zahnärzte ist ihnen dabei sehr behilflich gewesen.

Neben diesen fachlichen Problemen in den Nachkriegsjahren waren aber noch andere große Sorgen zu bewältigen. Die Inflation brach über uns herein und so kamen wir fast wöchentlich in Elberfeld zusammen, um über unsere Honorare zu diskutieren. Der Verein hatte zwar eine Gebührenordnung herausgegeben, aber sie wurde fast täglich überfällig. Der schwarze Markt nahm so groteske Formen an, daß man nach Eingliederung einer 4-gliedrigen Brücke - Gold gab es kaum, es wurden Randolf und ähnliche Ersatzmetalle verarbeitet - für das erzielte Honorar noch gerade ein Pfund Butter erwerben konnte, allerdings auch nur im Schwarzhandel. Dies alles sei erwähnt um zu zeigen, wie wichtig der Zusammenschluß zu einem Verein war.

In den Amtsgerichtlichen Akten waren seit 1913 keine Eintragungen mehr erfolgt und erst unter dem 1.10.1924 findet sich eine Anmeldung des neuen Vorstandes mit folgender Besetzung: Dr. Voerkel, Dr. Hüsemann, Dr. Prager, Dr. Brinkmann, Dr. Willecke.
Aus den einzelnen Protokollen, - da der Verein im Vereinsregister eingetragen war, mußten über jede Sitzung ein Protokoll eingereicht werden, - geht hervor, daß z.B. auf der Generalversammlung im Jahre 1923 - 31 Mitglieder anwesend waren. Im allgemeinen schwankte der Besuch der Versammlungen um die Zahl 20 herum. Allerdings waren die Verkehrsverhältnisse anders als heute. Viele Mitglieder wohnten außerhalb von Elberfeld-Barmen. Sie hatten kein Auto, sondern mußten mit der Eisenbahn oder Straßenbahn lange Anmarschwege zurücklegen, und das in den Abendstunden oder am Sonntagvormittag.

Bemerkenswert in obiger Anmeldung ist eine Satzungsänderung des Vereins.

Sie hatte folgenden Wortlaut: "Im § 1 ist zu streichen: ...und Ortsgruppe des Wirtschaftlichen Verbandes Deutscher Zahnärzte". Dies ist ein sehr beachtenswerter Wendepunkt für das weitere Vereinsleben. Die wirtschaftlichen Interessen konnten und brauchten nicht mehr vom Verein wahrgenommen und vertreten zu werden, sondern gingen über in die Hände des vom Kollegen Linnert gegründeten "Reichsverbandes Deutscher Zahnärzte" mit dem Sitz in Berlin. Verhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern, Sozialämtern und Behörden übernahm der neue Verband. In unserem Bereich wurde eine Ortsgruppe dieses neuen Verbandes gegründet, welchen Herr Kollege Dr. Wilhelm von der Thüsen als erster und ich als zweiter Vorsitzender übernahmen.

Damit blieb das Schwergewicht der zahnärztlichen Fortbildung und der Wahrung der Standesinteressen in den Händen des Bergischen Vereins Deutscher Zahnärzte, und wurde nun entsprechend intensiviert.

Durch die Inflation waren die Vermögensverhältnisse der Kollegen so stark dezimiert, daß eine neue Sorge an uns herantrat. Verschiedene Todesfälle zeigten, daß für die Hinterbliebenen kaum Geld vorhanden war, um die Bestattungskosten zu bezahlen. Auf Vorschlag des Kollegen Willecke wurde am 20. Juni 1924 die Gründung einer Alters- und Sterbekasse beschlossen. Dies gehörte jetzt zu den Aufgaben des Vereins.

Die Kasse war keine Zwangseinrichtung, sondern freiwillig, aber alle Vereinsmitglieder schlossen sich an. Sie beruhte auf dem Umlagesystem. Als Leistung war vorgesehen, für den Todesfall eines Mitgliedes RM 500,-, einer Ehefrau RM 250,-. Das Eintrittsgeld war gestaffelt nach Altersstufen. Bei einem Eintrittsalter bis 35 Jahren waren RM 5,-, bis 40 Jahren 2 x RM 5,- = RM 10,- usw. bis 60 Jahren 7 x RM 5,- = RM 35,- zu zahlen. Als Umlage wurden bei Ableben eines Mitgliedes RM 8,- einer Ehefrau RM 4,- erhoben. An Hand dieser Bestimmung ist anzunehmen, daß 1924 der Mitgliederbestand bereits an die Zahl 70 heranreichte. Es ist gut, dies einmal festzustellen, wenn man bedenkt, was heute vom VZN geleistet wird.

Im Jahre 1928 trat erneut eine Veränderung des Vorstandes ein.

Es wurden gewählt zum

1. Vorsitzenden: Dr. Voerkel Elberfeld
2. Vorsitzenden: Dr. Brinkmann Remscheid
1. Schriftführer: Dr. Prager Elberfeld
2. Schriftführer: Dr. W. von der Thüsen Elberfeld
Kassenwart: Dr. Gebigke Elberfeld

Dieser Vorstand blieb dann konstant bis zum Jahre 1933, wo im Mai 1933 im Rahmen der politischen Gleichschaltung aller Vereine auch bei uns eine Umbesetzung des Vorstandes erfolgen mußte. Mindestens ein Vorstandsmitglied mußte ein Mitglied der Nationalsozialistischen Arbeiter Partei sein.

Das waren bis 1933 die geschäftlichen Ereignisse im Vereinsleben.

In den Jahren bis 1921 wurden die Grundlagen der zahnärztlichen Wissenschaft und auch unseres Standes gelegt. Das Wissensgebiet war erheblich erweitert worden. Die Lokal- und Leitungsanaesthesie war auch in der Zahnheilkunde eingeführt worden, Röntgengeräte für Zahnärzte kamen auf den Markt, wodurch die Möglichkeiten der Zahnerhaltung auf dem konservierenden und chirurgischen Gebiet bedeutend verbessert wurden. Alle diese Fortschritte wurden in den Zusammenkünften der Vereinsmitglieder lebhaft diskutiert.

Gruppenbild mit zwei Damen:

Der Bergische Zahnärzteverein im Jahr 1921.

Im Jahre 1921 ließ ich mich in Remscheid nieder und wurde auch sofort Mitglied des Bergischen Vereins Deutscher Zahnärzte. In diesem Jahr fand die 25-Jahrfeier des Vereins statt, und ich mußte feststellen, daß das wissenschaftliche Niveau des Vereins in hoher Blüte stand.

Eine Gruppenaufnahme von dieser Tagung zeigt, daß nicht nur Vereinsmitglieder, sondern auch eine Reihe sehr bekannter Kollegen, Dozenten und Professoren aus Nah und Fern an dieser Tagung teilgenommen haben, ein Beweis dafür, daß der Verein schon zu damaliger Zeit eine beachtliche Stellung erreicht hatte.

Sehr beeindruckte mich auf dieser Tagung eine Demonstration unseres Vereinsmitgliedes Dr. Borgstedt. Er zeigte uns in seiner Praxis, wie er seine Patienten hypnotisierte und dann ungehindert behandelte. Alles geschah bei feierlicher Stille. Der Kollege betonte allerdings, daß es nicht immer gelänge und ihn selbst stark beanspruchte. Es war für alle eine Sensation. Man hat von dieser Art schmerzloser Behandlung wenig mehr gehört. Über weitere anregende Fortbildungsveranstaltungen zwischen 1921 und 1926 kann mein Gedächtnis nicht mehr viel sagen. Dafür ist mir aber die nächste Jubiläumstagung zum 30jährigen Bestehen noch in lebhafter Erinnerung. Es referierten u. a. Prof. Fritsch und Dozent Dr. Bolters über prothetische Fragen und außerdem sprach Prof. Dr. Pähsler über den "Begriff des toten Raumes", ein Thema, das durch den Amerikaner Rosenov und durch die Majo-Klinik in Rochester (USA) erstmalig für die Zahnheilkunde akut wurde. Er hob hervor die Bedeutung des pulpentoten Zahnes in Bezug auf die als "Focalinfektion" bekannten Folgeerscheinungen. Ein sehr gut aufgezogener Festabend in den Räumen des Hotels "Kaiserhof" in Elberfeld beschloß diese denkwürdige Tagung.

Als Folge der Ausführungen von Prof. Pähsler erschien im nächsten Jahre Herr Prof. Precht, Hamburg, später Königsberg und überbrachte uns einen ausführlichen Bericht über seinen Besuch in der Majo-Klinik in Rochester.

Auf einer weiteren Veranstaltung machte uns Herr Kollege Dr. Hermann, Frankfurt mit seinem von ihm entwickelten Calxyl bekannt. Den mit stark antiseptischen Mitteln angereicherten Wurzelfüllpasten wurde damit der Kampf angesagt. Im Bergischen Verein erfolgte sein zweites öffentliches Auftreten mit dieser neuen Wurzelfüllmethode, und Herr Hermann freute sich über die gute Resonanz, die er bei uns fand. Das Calxyl läßt sich aus unserem Medikamentenschatz nicht mehr wegdiskutieren. Es wird als anerkanntes Mittel in der Endodontie genannt. Weiter sei erinnert an eine beachtliche Studienreise nach Berlin in dem Jahre 1931. Es handelte sich um einen achttägigen Paradentose-Kurs unter der Leitung von Herrn Dr. Weski, Berlin. Die Arbeiten und Vorträge von den Herren Prof. Dr. Siegmund, Prof. Dr. Loos, und Dr. Weski hatten die Anregung dazu gegeben. Herr Kollege Weski war in jenen Jahren allein dreimal bei uns in Elberfeld, was dazu führte, daß sich 14 Mitglieder des Vereins entschlossen, an diesem Kurs teilzunehmen, welcher von den Herren Dr. Weski als Spezialist für Paradentologie, Prof. Dr. Neumann, Berlin als Chirurg (Radikaloperation) Prof. Dr. Citron, Berlin als Internist und Dr. Kiefer als Leiter des zahnärztlichen Fortbildungsinstitutes im Deutschen Zahnärztehaus in der Bülowstraße durchgeführt wurde. Bei dieser Gelegenheit bestätigte uns Herr Kollege Dr. Weski daß er im Bergischen Zahnärzteverein den aufgeschlossensten Kollegenkreis gefunden habe im Gegensatz zu vielen anderen Vortragsveranstaltungen im Reichsgebiet. So kam es denn auch daß an der Entwicklung des Paradentose-Vertrages mit den Ersatzkassen Herr Kollege von der Thüsen und ich maßgeblich Einfluß nehmen konnten.

Die Orthodontie, die heutige Kieferorthopädie, kam ebenfalls öfter auf die Tagesordnung. Das grundlegende Buch des Amerikaners Angle - erschienen l892 - war jahrzehntelang maßgebend gewesen. Erst die Bonner Schule unter Prof. Kantorowicz mit seinen damaligen Assistenten Korkhaus und Balters weihten uns in die tieferen Geheimnisse dieser Wachstumsstörungen ein. Korkhaus hatte eine längere Studienreise nach Amerika gemacht und die feinen Apparaturen von Mershon und anderen und seine eigenen Forschungen zeigten uns, wo hier erfolgreich zu helfen war. Leider fehlten uns damals dazu in Deutschland die erforderlichen hochwertigen Edelmetalle und erst die Arbeiten Hauptmeyers an der Kruppschen Zahnklinik ermöglichten es mit Hilfe des rostfreien Stahls, auch auf diesem Gebiete besser zu arbeiten.

Wenn ich so zurückschaue auf jene Zeit vor 1933, so darf ich wohl behaupten, daß der Verein unter der vorbildlichen Leitung von Dr. Voerkel schon immer lebhaften Anteil an der stürmischen Entwicklung unseres Faches genommen hatte.

Am 12. Mai 1933 wurde ein neuer Vorstand gewählt in der Besetzung:

1. Vorsitzender: Dr. Voerkel Wuppertal
2. Vorsitzender: Dr. Brinkmann Remscheid
1. Schriftführer: Dr. Kemper Wuppertal
2. Schriftführer: Dr. Hartnack Wuppertal
Kassenwart: Dr. Gebigke Wuppertal

In Berlin wurde der erste Vorsitzende des Reichs-Verbandes Deutscher Zahnärzte, der Gründer und erfolgreiche Kollege Linnert abgesetzt.

Ein Parteigenosse wurde mit dem Titel "Reichszahnärzteführer" gewählt. Die Preußische Zahnärztekammer, wo ich auch Mitglied war, wurde aufgelöst. Es wurde jeder Deutsche Zahnarzt verpflichtet, jedes Jahr mindestens an einem mehrtägigen Fortbildungskursus an einem Universitätsinstitut teilzunehmen.

Es dauerte auch nicht lange, bis die vollständige Löschung des Vereins gefordert wurde und so wurde dann am 18. Januar 1935 die Auflösung des Vereins beschlossen. Die Liquidation dauerte noch sehr lange und am 9. Mai 1938 schrieb Herr Kollege Dr. Gebigke als Liquidator an das Amtsgericht Elberfeld, Abt. 17. "Auf Ihre Anfrage vom 22.3.38 gestatte ich mir die Antwort, daß die Liquidation des Bergischen Zahnärztevereins mit seiner Sterbekasse beendet ist und das Amt des Liquidators damit erloschen ist. Der Verein kann gelöscht werden."

Die amtliche Löschung erfolgte am 20.4.1938. Es trat ein Dornröschenschlaf ein! Die Bergischen Zahnärzte durften von sich aus keine eigene, örtliche Fortbildung mehr betreiben.

Das Erwachen dieses "Dornröschens" geschah erst wieder am 11.9.1948, an welchem Tage der Verein neu ins Leben gerufen wurde mit dem Titel: "Bergischer Zahnärzteverein". Die Wahl des Vorstandes ergab die Besetzung:

1. Vorsitzender: Dr. Brinkmann Remscheid
2. Vorsitzender: Dr. Wilhelm von der Thüsen Wuppertal
Schriftführer: Dr. Gebigke Wuppertal
Kassenwart: Dr. Weitzel Wuppertal

Und so konnte schon am 6.10.48 die erste Fortbildungsveranstaltung stattfinden, welche von unserem Ehrenmitglied Prof. Dr. Fritsch, Frankfurt mit dem Thema: "Streifzüge durch die Prothetik" bestritten wurde. Prof. Dr. Fritsch war bereits am 23.11.29 zum Ehrenmitglied ernannt worden und so konnten wir diese Ehrung an diesem Tage erneut bestätigen.

Wir hatten das Glück, daß die Farbenfabriken Bayer in Wuppertal-Elberfeld uns ihren neu eingerichteten Vortragssaal freimütig und kostenlos zur Verfügung stellten, und so wuchs aus den Trümmern des "1000jährigen Reiches" neues Leben für die Fortbildung der Bergischen Zahnärzte. Es setzte wieder ein sehr reges und anregendes Leben mit je 6 Veranstaltungen in jedem Wintersemester ein. Dazu kamen Sonderveranstaltungen in Gestalt von Kursen und Studienreisen. Dem neuen Vorstand kam es darauf an, nicht Schulungen zu veranstalten, sondern den Kollegen ein buntes Kaleidoskop aus dem Gesamtgebiet der Zahnheilkunde, der Medizin und der Grenzgebiete zu bringen.

Jeder in der Praxis stehende Kollege wird durch die Routine Arbeit des Alltages so in Anspruch genommen, daß er nur dann Fortbildungsveranstaltungen besucht, wenn ihm diese nicht nur Neues vermitteln, sondern ihm vor allen Dingen Anregungen geben, womit er sein Wissen erweitern, sein Können verbessern und dann sich Erleichterungen seiner anstrengenden, täglichen Arbeit verschaffen kann. Und nicht nur das, sondern er möchte sein Wissen erweitern, um nicht rückständig zu werden und wettbewerbsfähig zu bleiben, damit sein Einkommen nicht zurückgeht, sondern sich verbessert.

Diese Gesichtspunkte waren für den Vorstand Richtschnur bei der Auswahl der Referenten. Da dem Verein wohl ein vorzüglich ausgestatteter Vortragssaal zur Verfügung steht, leider aber keine Klinikräume, mußte es im allgemeinen bei Vorträgen mit kleineren Demonstrationen verbleiben, welche aber durch ausgiebige Aussprachen mit dem Referenten eine wesentliche Vertiefung erfuhren. Es hat wohl keine Veranstaltung gegeben, wovon der Teilnehmer nicht etwas Positives mit nach Hause genommen hat.

Selbstverständlich hat der Verein auch Exkursionen und Studienreisen außerhalb von Wuppertal unternommen. So fand am 5. und 6.1.1957 eine Studienreise nach Münster zu den Herren Prof. Wannenmacher, Prof. Issels und Oberarzt Dr. Hahn statt. Herr Prof. Wannenmacher sprach über seine neuen Medikamente in der konservierenden Zahnheilkunde, Herr Prof. Issels zeigte am Stuhl und im Labor den Werdegang des Extensionsabdruckes für Ober- und Unterkiefer und Oberarzt Dr. Hahn demonstrierte Operationen von Cysten und Wurzelspitzenresektionen und das mit Fernsehübertragung für alle Teilnehmer, welche nicht direkt am Stuhl stehen konnten.

Nach uns wurde Herr Huneke von dem Düsseldorfer Zahnärzteverein eingeladen, dann von Frankfurt und von anderen Stellen. Heute gibt es eine internationale Gesellschaft für Neuraltherapie nach Dr. Huneke e.V. Herr Dr. Huneke verstarb am 2. Juni 1966 und in einem der vielen Nachrufe in den ärztlichen Fachblättern heißt es: "Seines Namens wird über Generationen hinaus dankbar gedacht werden von denen, die mit dem Huneke-Sekundenphänomen heilen durften und von denen, die damit geheilt wurden."

Ein weiteres markantes Ereignis war die Jubiläumstagung des Bergischen Zahnärztevereins anläßlich seines 55jährigen Bestehens am 22. und 23. Juni 1951.

Da wir uns bei dem 50jährigen Bestehen im Jahre 1946 von den Schrecken des II. Weltkrieges noch nicht erholt hatten und auch faktisch noch gar nicht als Verein wieder bestanden, gab uns die Jahreszahl 1951 die Gelegenheit, das Versäumte von 1946 nachzuholen und sozusagen das 50jährige Jubiläum mit 10% Aufschlag zu feiern.

Das Tagungsprogramm war für jene Nachkriegszeit so weit umfassend daß es in dieser Aufzeichnung im Ganzen festgehalten werden soll.

Tagungs-Thema: "Paradentose und Gebißanomalien in der täglichen Praxis"
  Freitag, den 22. Juni 1951
Vormittags 9:00 - 13:30 Uhr:  
  Begrüßung der Teilnehmer
1. Prof. Dr. H. Siegmund, Münster Neuro-cirkulatorische Grundlagen der Paradentopathien
2. Prof. Dr. Harndt, Berlin Klassification und klinische Diagnostik der marginalen Paradentopathien
3. Dr. Kutzleb, Neuß Das Follikelhormon und seine Beziehungen zum Alveolarfortsatz
Mittags 14:00 Uhr: Gemeinsames Mittagessen in den Wirtschaftsräumen der Farbenfabriken Bayer, Wuppertal-Elberfeld
Nachmittags 15:00 - 18:30 Uhr:  
1. Dr. Lübeck, Würzburg Secundäre Stellungsanomalien durch Zahnverluste und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Paradentopathien
2. PD. Dr. Dr. Thielemann, Frankfurt Funktioneller Einfluß auf die Lokalisation der Paradentose
3. PD. Dr. Kluczka, Mainz Die Lokaltherapie in der Paradentose
4. OA. Dr. Strack, Tübingen Die funktionellen Ursachen der parodontalen Erkrankungen und Schäden und ihre prothetische Therapie
Abends 20:00 Uhr: Bierabend im Ratskeller, Wuppertal-Elberfeld, (Weinstube)
  Sonnabend, den 23. Juni 1951
Vormittags 9:00 - 14:00 Uhr:  
1. Prof. Dr. A. Martin Schwarz, Wien Der Rückbiß, seine Diagnose, sein Wesen und seine Behandlung
2. Prof. Dr. van Thiel, Köln Die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Gebißanomalien bei Neutralbiß
3. Dr. Bimler, Wiesbaden Die Gebißformer, ihre Wirkungsweise und Indikation
4. Frau Dr. Frevert-Boelcke, Essen Die kieferorthopädische Behandlung in der Ersatzkassenpraxis
Abends 20:00 Uhr: Festabend mit Damen und Angehörigen in den Gasträumen des Zoologischen Gartens, Wuppertal-Elberfeld (Dunkler Anzug nicht Bedingung)

Die Vortragenden gehörten zu den Spitzen der wissenschaftlichen Vertreter unseres Faches. Der Besuch der Feier war außergewöhnlich groß noch besonders ausgezeichnet durch das Erscheinen von einer Reihe von Ehrengästen, wovon ich nachstehend einige nennen möchte, um zu zeigen, welches Ansehen unser Verein damals bereits wieder besaß. Wir durften besonders begrüßen den Nobelpreisträger Prof. Dr. Domagk, die Direktoren der Farbenfabriken Bayer Prof. Dr. Weise und Dr. Klüser, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten, Prof. Dr. Euler, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie, Prof. Dr. Korkhaus, den 1. Vorsitzenden des Verbandes der zahnärztlichen Berufsvertretungen, Dr. Erich Müller, den Präsidenten der Zahnärztekammer Nordrhein, Dr. K. Winter, den Pathologen Prof. Dr. J. Miller, ein Sohn des Altvaters der Zahnheilkunde W. D. Miller, Chikago, dessen Werk "Die Mikroorganismen der Mundhöhle" (2. Auflage 1892) längst Allgemeingut unseres Faches geworden war - und auch besonders unser Ehrenmitglied Prof. Dr. Fritsch.

1956 war wieder eine Jubiläumstagung besonderer Prägung, das 60jährige Bestehen. Die Tagung am 28. April 1956 stand unter dem Thema: "Die Prothetik, eine Wissenschaft". Sie wurde getragen von den Referenten: Prof. Dr. Häupl, Prof. Dr. Jung, Prof. Dr. Issel, PD. Dr. Kuck und Dr. Dr. Jantzen - insgesamt waren erschienen 296 Teilnehmer.

Diese Tagung hatte nicht nur wissenschaftliche, sondern auch wirtschaftliche und standespolitische Bedeutung. Es war gerade der Streit entbrannt zwischen den Versicherungsträgern und uns, ob die Eingliederung von Prothesen eine rein handwerkliche oder eine ärztliche Leistung sei.

Die Wirkung dieser Tagung blieb bei anderen zahnärztlichen Organisationen nicht aus.

Herr Prof. Dr. M. Herrmann, Mainz, der leider nicht teilnehmen konnte, schrieb uns zu dieser Tagung:

Ihr Verein hat als Hort wissenschaftlichen Interesses und zahnärztlicher Fortbildung einen festen Platz im Standesleben der deutschen Zahnärzte erworben. Die Liebe zur Wissenschaft und Ihr Drang zur Fortbildung - welche die Mitglieder des Vereins in den letzten Jahrzehnten erfüllt haben - sind eine Garantie dafür, daß auch in Zukunft der Verein erfolgreich arbeiten wird im Interesse der zahnärztlichen Wissenschaft und unserer Patienten.

Am 16.10.1954 anläßlich eines Vortrages von Herrn Prof. Häupl konnten wir zum ersten Male nach der Vereinheitlichung beider Berufsstände der Zahnärzte und der Dentisten 81 Neukollegen begrüßen und mein Wunsch, den ich anläßlich dieses Zuwachses aussprach, lautete: "Damit verbinde ich den Wunsch, daß alle Kollegen für uns liebens- und achtenswerte Vereinsmitglieder werden, welche nicht nur unsere Zahl vergrößern sondern auch mit dazu beitragen mögen, daß das Vereinsleben sich weiter entwickeln und verschönern möge". Wir dürfen heute mit großer Befriedigung sagen, daß dieser Wunsch sich hundertprozentig erfüllt hat durch Mitarbeit im Vorstand und lebhafteste Beteiligung an unseren Veranstaltungen.

Das 65jährige Bestehen im Jahre 1961 wurde nicht besonders festlich begangen, dafür ließ sich aber der Vorstand zum 70jährigen Bestehen etwas ganz Besonderes einfallen. Wir wollten einmal wieder Student sein, wieder einmal die Bank eines richtigen Hörsaales drücken, um uns aus berufenen Mündern unterrichten zu lassen, wo die wissenschaftliche Zahnheilkunde stand und was in den Zahnärztlichen Universitätskliniken heute gelehrt wurde. Wir hatten das Glück, unter den Klinik-Direktoren einen guten Freund unseres Vereins zu haben, welcher Erbauer und Leiter einer ganz modernen zahnärztlichen Universitäts-Klinik war, Herr Prof. Dr. Dr. Heuser in Marburg.

In den Jahren 1950, 53, 58, 60 und 66 war Herr Prof. Heuser bei uns in Wuppertal allein und auch mit seinen Assistenten gewesen und so war es denn auch verständlich, daß wir eine Einladung von Prof. Heuser gern annahmen, für 4 Tage nach Marburg zu kommen, um damit das 70jährige Bestehen besonders festlich zu gestalten.
Die Klinik und Poliklinik für Zahn- , Mund- und Kieferkrankheiten der Philipps-Universität, eingeweiht am 30.5.1964, war sozusagen brandneu. Es beteiligten sich über 50 Kollegen mit ihren Frauen an dieser einzigartigen, schönen Studienreise vom 29.9. - 1.10.1966. Herr Prof. Heuser stellte seinen ganzen Klinikbetrieb auf uns ein mit dem gesamten Mitarbeiterstab. Wir waren überwältigt von dieser super-modernen-Klinik, von der harmonischen Zusammenarbeit sämtlicher Mitarbeiter und von der Forschung und Lehre, wie sie in Marburg betrieben wurde. Auch das Verhältnis der Studenten zu ihren Lehrern war vorbildlich und wir durften sehen und hören, wie die Studenten vom ersten bis zum zehnten Semester zu tüchtigen Zahnärzten ausgebildet wurden. In diesen Tagen des Besuches in Marburg wurde eingehend und fleißig Wissenschaft praktiziert, was aus dem nachfolgenden Programm ersichtlich ist. Neben der Wissenschaft hatte Herr Prof. Heuser mit seinen Assistenten auch für einen besonders schönen umfangreichen gesellschaftlichen Teil gesorgt. Wenn ich auf alle Einzelheiten dieser Tagung eingehen wollte, so ergebe das ein Buch für sich. Im Rahmen dieser Festschrift muß darauf verzichtet werden.

Programm für die Tagung des Bergischen Zahnärztevereins, verbunden mit dem 70jährigen Bestehen des Vereins in Marburg a. d. Lahn, vom 29.9. bis 2.10.1966
Ort: Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten Marburg
  Donnerstag, den 29.9.66
20:00 Uhr Anreise
Begrüßungsabend im "Waldecker Hof"
  Freitag, den 30.9.66
8:30 Uhr Begrüßung durch den Direktor der Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten, Prof. Dr. Dr. Heuser
8:45-9:00 Wiss. Rat Prof. Dr. H. Pantke:
Die Gußfüllung
9:00-9:15 Prof. Dr. G. Janke:
Probleme bei der Versorgung des teilbezahnten Gebisses
9:15 - 9:30 Akad. Rätin Dr. I. Hennis:
Die Extraktionstherapie in der Kieferorthopädie
9:45-9:55 Dr. H. F. M. Schmidt:
Fortschritte in der Kariestherapie mit Fluor
9:55-10:05 Dr. H. Schnell:
Weichbleibendes Unterfütterungsmaterial für totale Prothesen
10:05-10:15 Akad. Rat Dr. E. Pfütz:
Die Herstellung von Obturatoren in Verbindung mit totalen Prothesen
10:15-10:25 Dr. H. Bernhardt:
Erfahrungen mit Dolarbuscopan®
10:25-10:35 Dr. Dr. C. G. Lorber:
Die Anfänge der Stomatologie im 16. Jahrhundert
10:35-11:00 Prof. Dr. Dr. Heuser:
Film: "Aus der Frühzeit der örtlichen Betäubung in der Zahnheilkunde" mit kurzer Einleitung
11:00-13:00 Besichtigung der Klinik - mit Damen -
  Mittagspause
15:00-18:00 Demonstration in 4 Gruppen:
  a) Zahnerhaltungskunde einschl. Labortechnik
  b) Zahnersatzkunde
  c) Kieferorthopädie
  d) Staatsexamen (anläßlich der Demonstration in der Zahnerhaltungskunde ist Gelegenheit gegeben, die zu dem Zeitpunkt laufenden Staatsexamensarbeiten zu inspizieren)
  Samstag, den 1.10.66
8:30 Uhr Prof. Dr. Dr. Heuser:
Indikation und operative Durchführung der Gerüstimplantation
  OA. Doz. Dr. Dr. Hering:
Demonstration der intravenösen und intramuskulären Injektion mit Besprechung therapeutischer Fragen (Antibiotika etc.)
  Prof. Dr. Dr. Heuser:
Operation: Gerüstimplantat
  Prof. Dr. Dr. Heuser und OA. Doz. Dr. Dr. Hering:
Demonstration unserer Methodik der Wurzelspitzenresektion mit anschließender Diskussion der Problematik
  Mittagspause
ab 15:00 Uhr Round-table-Gespräche
20:00 Uhr Gesellschaftsabend

Unsere Dankbarkeit für die jahrzehntelangen, aufopferungsreichen Bemühungen um die Fortbildung der Bergischen Zahnärzte seitens Prof. Heusers glaubten wir nicht besser zum Ausdruck bringen zu können, als daß wir ihn baten, die Ehrenmitgliedschaft in unserem Verein anzunehmen. In einem besonderen Festakt durften wir Herrn Prof. Heuser die Ehrenurkunde überreichen.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß an diesem Festakt trotz seines hohen Alters und trotz seines geschwächten Gesundheitszustandes unser liebes altes Ehrenmitglied, Herr Prof. Dr. Fritsch, teilnahm.

Das waren die Jubiläumsfeiern, welche ja immer Höhepunkte im Vereinsleben sind, aber es sind auch einige andere größere Fortbildungsreisen zu erwähnen.

Im Jahre 1958 lud uns Herr Prof. Dr. Uhlig, Kiel-Wik zu einem einwöchigen Fortbildungskurs in sein Landhaus in Leck bei Niebüll ein. Prof. Uhlig war schon öfter bei uns in Wuppertal gewesen und hatte uns von seinen Erfahrungen mit Implantaten aus Edelstahl als Halt für totale Prothesen und für Freiendbrücken berichtet. Elf Kollegen beteiligten sich an dieser Exkursion. Es war ja in Wirklichkeit etwas ganz Neues für uns.

Alle Teilnehmer waren überrascht von der Eleganz der Operationsmethode und von dem Erfolg dieser Verfahren, welche uns Herr Prof. Uhlig an einzelnen Patienten und durch Vorstellung von Patienten, deren Behandlung ein Jahr und länger zurücklag, demonstrierte. Das Implantationsverfahren wurde und wird auch heute noch von verschiedenen Mitgliedern des Vereins ausgeübt.

Das Verfahren hat im Laufe der Zeit manche Änderung und Verbesserung erfahren und neuerdings steht auf dem Fortbildungsplan für 1971 auch ein Einführungsvortrag von Herrn Kollegen Pruin, Bremen über Nadelimplantate.

Im Sommer 1964 fand eine schöne und interessante Studienfahrt per Omnibus bei herrlichstem Wetter nach Köln zu den großzügigen neuen Arzneipflanzen-Anlagen der Firma Dr. Madaus & Co. in Köln-Merheim statt. Die Herren Dr. Albus, Dr. Übel und Dr. Voche referierten über die Anwendung ihrer Arzneimittel und führten uns durch die gärtnerischen Anlagen.

Zu erwähnen bleiben noch zwei besonders schöne, erlebnisreiche Studienreisen mit unseren Damen.

Gruppenbild vor der Firma Ivoclar/Vivadent

Im Jahre 1969 unternahmen wir vom 30.4. bis zum 4.5. auf Einladung der Firma Ivoclar eine Studienreise nach Schaan/Liechtenstein. Mit dem "Rheinblitz" ging es von Köln über Zürich nach Buchs/Schweiz, von wo wir mit Bus nach Schaan abgeholt wurden. Der Zweck der Reise war die kursmäßige Demonstration des Ivotray-Verfahrens. Die Leiter der Firma zeigten den Werdegang der Herstellung von Porzellan- und Kunststoffzähnen, von Füllungsmaterialien usw. in den modernst eingerichteten Fabrikräumen, und zwei Schweizer Kollegen, führten an mehreren Patienten in einem eigens dafür als Sprechzimmer eingerichteten Vortragsraum die Herstellung totaler Unter- und Oberkieferprothesen vom Abdruck bis zur Eingliederung nach dem Ivotray-Verfahren vor. Alle Kollegen, es waren ca. 30 Teilnehmer - waren begeistert von dem guten Sitz der Prothesen in funktioneller und kosmetischer Hinsicht.

Neben dieser zahnärztlichen-prothetischen Fortbildung fanden nachmittags Ausflüge in die landschaftlich einmalig schöne Umgegend von Schaan-Vaduz statt. Ein Festabend, ausgerichtet von der Firma Ivoclar beschloß diese eindrucksvolle, lehrreiche Reise.

Nach dieser für alle Teilnehmer hoch erfreulichen Studienreise war es verständlich, daß wir vor der Rückreise gern eine neue Einladung der Firma Ivoclar entgegennahmen, im kommenden Jahr, also 1970, ein anderes Zweigwerk der Firma zu besuchen, und zwar eine Tochtergesellschaft der Firma in St. Jorioz am Lac d'Annecy in Frankreich, unweit Genf.

Gruppenbild vor dem Ivoclar-Werk in St. Jorioz (F)

Diese Exkursion vom 29.4. - 3.5.70 wurde vom Vorstand wieder gewissenhaft vorbereitet und glänzend organisiert. Das Tagungsprogramm war ausgezeichnet. Sprachschwierigkeiten waren gering und das Rahmenprogramm war durch Ausflüge in die reizvolle Umgegend von Annecy sehr abwechslungsreich. Besonders bemerkenswert war aber noch der abschließende Festabend, an welchem durch die Vermittlung der vortragenden bzw. demonstrierenden französischen Kollegen spontan ca. 15 französische Kollegen mit ihren Damen teilnahmen. Neben der Geselligkeit wurden fachlich interessierende Gespräche geführt und dem Wunsche Ausdruck gegeben, zu unserem kommenden 75jährigen Jubiläum einen Gegenbesuch in Wuppertal zu machen.

Zusammenfassend muß man sagen, daß der Zweck des Vereins, wie es in der ursprünglichen Satzung niedergelegt ist, nämlich § 2: Die Pflege der zahnärztlichen Wissenschaft, die Verfolgung und Förderung der Standesinteressen und die Pflege der Collegialität schon allein durch die im Vorgehenden geschilderten großen Veranstaltungen reichlich erfüllt worden ist.

Doch damit hat es ja nicht sein Bewenden gehabt. Als Anhang dieser Festschrift wird eine chronologische Aufstellung über sämtliche Veranstaltungen des Bergischen Zahnärztevereins von 1966 bis 1971 beigefügt, woraus zu ersehen ist, daß in all den Jahren vom Verein eine alle Sparten unseres Faches umfassende Fortbildung betrieben worden ist und wir mit Stolz auf die hinter uns liegenden 75 Jahre zurückblicken können. Wenn man nur die Namen der Vortragenden liest, dann sieht man, daß die Entwicklung des Bergischen Zahnärztevereins eng verbunden ist mit der Entwicklung unseres Faches.

Am 3. September 1959 wurde mir, als dem Vorsitzenden im Rahmen der Hundertjahrfeier der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (Zentral-Verein) in Berlin, die "Hermann-Euler-Medaille" verliehen mit folgender Urkunde:

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. verleiht

Herrn Dr. med. dent. Hans Brinkmann, Remscheid

in Anerkennung seiner Verdienste um die zahnärztliche Fortbildung, insbesonders als Gründer und langjährigen Vorsitzenden des Bergischen Zahnärztevereins

die Hermann-Euler-Medaille.


Berlin, den 3. September 1959

Im Namen des Vorstandes
Harndt
Präsident

Die Ehrung kam für mich ganz überraschend und ich konnte sie nur entgegennehmen in dem Bewußtsein, daß dieselbe nicht mir, sondern auch meine übrigen Vorstandsmitgliedern galt, welche mir immer selbstlos und tatkräftig zur Seite gestanden haben. Ich möchte davon besonders hervorheben die Mitarbeit vom Kollegen Dr. Ernst Weitzel, W-Elberfeld, den wir anläßlich seines 70ten Geburtstages am 28.12.56 für seine Verdienste zum Ehrenmitglied ernennen konnten, die anspornende Geschäftigkeit des Kollegen Dr. Paul Gebigke und die lebhafte und organisierende Tätigkeit des Kollegen Dr. Wilhelm von der Thüsen. Wären sie nicht gewesen, so hätte ich oft nicht gewußt, wie es mir gelingen sollte, den Verein auf seine Höhe zu halten. Auch eines weiteren wertvollen Mitarbeiters sei gedacht, des Geschäftsführers der Bezirksstelle Bergisch Land der Zahnärztekammer Nordrhein Herr Ernst Schneiders, welcher dafür sorgte, daß die büromäßigen Regularien immer gewissenhaft und pünktlich erledigt wurden, und noch werden.

Ein erfreuliches Ereignis muß noch erwähnt werden. Die Einweihung eines eigenen Vortrags- und Demonstrationsraumes neben den Geschäftsräumen unserer Kammer am 1.8.63. Damit hatten wir endlich die Gelegenheit, praktische Demonstrationen am Behandlungsstuhl und am Labortisch abzuhalten. So fanden in den folgenden Jahren Demonstrationskurse in der Prothetik und in der Kieferorthopädie statt, welche von den beiden Arbeitskreisleitern, Dr. Dr. Jahnke und Dr. Hennicke abgehalten und geleitet wurden. Leider mußten wir diese Räume 1970 wieder aufgeben.

Damit bin ich am Ende meiner geschichtlichen Aufzeichnungen und Rückerinnerungen bis zum Dezember 1970.

Es ist schwer, nach einem eigentlich erfüllten Leben alles, was einen einmal bewegt und erregt hat, zum größten Teil aus dem Gedächtnis niederzuschreiben. Es erfüllt mich aber mit Befriedigung, wenn ich mit diesen Aufzeichnungen meinen Nachfolgern eine Basis geschaffen habe, auf der sie weiter aufbauen und vervollständigen können, was noch fehlt, um in unserem Fach so weit zu kommen, daß die Geißel der Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten keine Geißel mehr ist, sondern nur noch eine Erscheinungsform des biologischen Lebens, welche wir auf Grund unserer Erkenntnisse weitgehends zu bannen oder gar zu meistern vermögen.

Remscheid, den 31 Januar 1971

gez. Dr. Hans Brinkmann